Ein Freudentag für die reformierte Kirche

WILLISAU Pfarrer Philemon Läubli wurde am Sonntag, 19. Oktober, feierlich in sein Amt eingesetzt. Die sehr gut besuchte und stimmungsvollen Feier markierte den Beginn eines neuen Kapitels in der Geschichte der Reformierten Kirche Willisau-Hüswil.

Peter Helfenstein

«Heute feiern wir einen besonderen Anlass, der zum Glück nicht alle Jahre vorkommt», sagte Hermann Morf, Präsident des Kirchenvorstands, bei seinen Begrüssungsworten. In seiner Ansprache würdigte er den Lebensweg von Philemon Läubli, der ursprünglich als Elektroniker tätig war und später Theologie studierte. «Wenn die Berufung zum Beruf wird - so könnte man seinen Werdegang beschreiben», sagte Morf. Mit seiner Erfahrung aus Handwerk und Theologie bringe Läubli die besten Voraussetzungen mit, Brücken zu bauen und Menschen zu verbinden. «Wir freuen uns, einen Haus- und Brückenbauer in unserer Gemeinde begrüssen zu dürfen», schloss Morf seine Rede und dankte in gleichem Atemzug der Pfarrwahlkommission unter der Leitung von Jolanda Kuoni für ihre sorgfältige Arbeit.

Ein Beginn unter Gottes Segen
Nach den ersten Wochen im Luzerner Hinterland, die bereits von zahlreichen Begegnungen, Gottesdiensten und Sitzungen geprägt waren, stand nun der festliche Moment im Mittelpunkt: der bewusste Start eines gemeinsamen Weges von Pfarrer und Gemeinde. In seiner Ansprache betonte Ulf Becker, Synodalratsmitglied und Pfarrer in Reiden, die Bedeutung dieses kirchlichen Rituals. «Die Installation ist weit mehr als ein administrativer Akt - sie sei ein öffentliches Bekenntnis zur gemeinsamen Verantwortung von Pfarrer und Gemeinde. Beides - System und Software - Kirchgemeinde und Pfarr­person - müssen zusammenspielen, um das Beste für alle zu erreichen», sagte Becker mit einem augenzwinkernden Vergleich zur Computertechnik. Er würdigte Läublis bisherigen Weg, seine Offenheit und seine Leidenschaft für Bewegung und Natur - Sinnbilder auch für die kommenden Herausforde­rungen im Pfarramt: mal leichtfüssig und beschwingt, mal steil und kräftezehrend. Dabei verwies Becker auf den Bibelvers aus Jesaja 40,31, der Pfarrer Läubli seit Jahren begleitet: «Alle, die auf den Herrn hoffen, bekommen neue Kraft. Sie fliegen dahin wie Adler. Sie rennen und werden nicht matt, sie laufen und werden nicht müde.»
Im feierlichen Installationsakt legte Philemon Läubli das Gelübde ab, sein Amt «treu und gewissenhaft» nach den Vorschriften der Landeskirche zu erfüllen. Mit dem Zuspruch des Segens und der symbolischen Handauflegung wurde er offiziell in sein Amt eingesetzt. Zum Abschluss überreichte Ulf Becker im Namen des Synodalrats ein Geschenk - eine Bibel, «das klassische Betriebssystem des Glaubens», wie er es nannte. Sie solle Pfarrer Läubli und die Gemeinde auf ihrem gemeinsamen Weg begleiten. Mit herzlichem Applaus nahm die Gemeinde ihren neuen Seelsorger in ihrer Mitte auf.

Ein feierlicher Moment samt Gelübde: Der Reider Pfarrer Ulf Becker übernahm in seiner Rolle als Synodalratsmitglied der Reformierten Kirche des Kantons Luzern den Installationsakt von Pfarrer Philemon Läubli (rechts).

Bild Peter Helfenstein

Kirchliche und weltliche Grussworte
Die katholische Kirchenratspräsidentin Evelyne Huber überbrachte die Grüsse der Schwesterkirche und betonte die Freude über die künftige ökumenische Zusammenarbeit. Als Zeichen der Verbundenheit überreichte sie der Familie Läubli eine Heimosterkerze sowie kraftspendende Ovomaltine-Produkte. Im Anschluss dankte Pastoralraumleiter Andreas Wissmiller herzlich für die Einladung. Er freue sich auf eine wunderbare Zusammenarbeit. Als Zeichen der Verbundenheit beschenkte er Philemon Läubli und seine Ehefrau Martina mit einem grossen Lebkuchenherz und weil die Familie etwas grösser ist, gab's noch vier kleine Lebkuchenherze obendrauf, was bei den Versammelten einen freudigen Beifall auslöste. Im Namen des Stadtrats Willisau hiess Markus Amrein Pfarrer Philemon Läubli in Willisau herzlich willkommen. Er erinnerte daran, dass Freundlichkeit - wie es schon Mark Twain sagte - eine Sprache sei, «die Taube hören und Blinde sehen können». Diese Haltung solle auch künftig das Miteinander in Willisau prägen. Auch er brachte ein Geschenk mit und es überraschte niemanden - es waren Willisauer Ringli.

Christsein ist kein Soloprojekt
Im Zentrum der Festpredigt von Philemon Läubli stand der Wahlspruch «Die Gemeinschaft Jesu Christi - gemeinsam statt einsam». Er erinnerte an die vielen «Einander»-Worte der Bibel: Tröstet einander, vergebt einander, dient einander, ermutigt einander, liebt einander. Sie alle seien Ausdruck des Gesetzes Christi - einer Liebe, die keine Bedingungen kennt. Christsein bedeute, sich füreinander verantwortlich zu wissen. Schon das Gebet «Unser Vater» beginne mit einem «Unser» und mache deutlich: Glauben heisst miteinander unterwegs sein. Auch im Gebet, selbst in Einsamkeit, bleibe man Teil der grossen Gemeinschaft der Glaubenden. Zum Schluss verwies Läubli auf Dietrich Bonhoeffer, der die Kirche als «Gemeinschaft der Heiligen» verstand - als Ort, an dem Christus selbst im Einander erfahrbar wird. Wer dem Nächsten diene, begegne Christus.
Durch den Festgottesdienst führte Thomas Heim, Pfarrer des Pfarramts Hüswil. Musikalisch bereichert wurde der Gottesdienst vom Kirchenchor unter der Leitung von Emma Stirnimann sowie von Jörg Wisler am Alphorn und Yurii Feshchenko an der Orgel. Im Anschluss an den Festgottesdienst waren alle zu einem Apéro eingeladen.