Am Montag, 21. Juni, feierte Hilda Bossert im Alters-heim St. Johann ihren 90. Geburtstag. Eine dreiköpfige Delegation des Gemeinderats Hergiswil, angeführt von Gemeindepräsident Flurin Burkhalter, überbrachte der Jubilarin die Glückwünsche der Gemeinde – und liess sich von der geistig wachen Seniorin in lebendige Anek¬doten aus neun Jahrzehnten Leben entführen.
Peter Helfenstein
Hilda Riedweg wuchs zusammen mit zwölf Geschwistern auf dem Hof Hoggen in Menzberg auf. «Meine erste Stelle trat ich als 16-jähriges Meitschi auf dem Mettenberg an», erzählt die Jubilarin. Der Lohn sei klein gewesen. «120 Franken erhielt ich im Monat. Ich arbeitete die ganze Woche und hatte nie frei.» Als einmal die Rohrmatt-Musik auf dem Mettenberg spielte, war auch ihr zukünftiger Ehemann Hans Bossert dabei. «Am Abend wollte er einfach nicht nach Hause», sagte Hilda Bossert. «Er kam später immer wieder – ich wusste aber nicht, warum», erzählte sie mit einem Augenzwinkern, worauf schallendes Gelächter durch die Cafeteria hallte, denn einige ihrer Kinder mit Anhang waren auch anwesend.
«In den Sommerhalbjahren arbeitete ich zu Hause»
Nach einer Stelle in Sursee – wo sie bei Dr. Beck im Haushalt tätig war und zwei Mädchen und zwei Buben trabantete - wie sie es nannte – arbeitete sie unter anderem als Hausangestellte in einem Hotel in Einsiedeln. Doch der Sommer war stets der Landwirtschaft vorbehalten: «Da musste ich nach Hause zum Heuen – mit der Sense nachmähen und draussen mitanpacken. Für die Arbeiten im Haus war meine Mutter zuständig.»
Viel Action bei Bosserts in der Hirzmatt
An Ostern 1956 verlobte sich Hilda Riedweg mit Hans Bossert und heiratete im Oktober desselben Jahres in der Kapelle Maria Zell in Sursee. Gemeinsam führten sie den Hof Hirzmatt und zogen elf Kinder gross – neun Buben und zwei Mädchen. Der Alltag war arbeitsreich, turbulent und nicht immer ungefährlich. Hansruedi hat Lehrer Galliker gefoppt. Bruno wurde als Bub von Nachbars Hund ins Gesicht gebissen. Hugo riss mit dem Bagger ein Stromkabel heraus. Hubert schnitt beim Messerwechsel des Mähers den Daumen auf. Urs stürzte ins volle «Güllenloch» und bei der hofeigenen «Buremetzgete» schnitt er sich die Schlagader am Bein auf. Markus hat sich beim Schnapsen auf dem Hof am Hacken des «Brennöfalis» fast erhängt - er wollte in den Hafen schauen und rutschte aus. Puma schlug Monika mit der Gartenhacke ins Gesicht. Peter hatte kurz vor der Hirzmatt einen schweren Töffunfall und wurde in die Buchwigger geschleudert.
Auch an ein weiteres dramatisches Ereignis erinnert sich die Jubilarin klar. 1964 brannte der Hof Hirzmatt nach einem Kurzschluss – ausgelöst durch eine von einer Sau beschädigtes Kabel einer Wärmelampe – bis auf die Grundmauern ab. Die Familie fand vorübergehend Unterschlupf in der Scheimatt, der jüngste Sohn wurde vorübergehend auf dem Schwandgraben untergebracht. «Die wollten ihn fast nicht mehr hergeben als das neue Haus bezogen werden konnte.»
Mit 60 die ersten gemeinsamen Ferien
Die erste Flugreise unternahm die Jubilarin mit Margrit Schwegler von der gleichnamigen Bäckerei in Willisau nach Kenia. Und erst etwa im Alter von 60 Jahren gab es gemeinsame Ferien mit ihrem Ehemann Hans auf der Insel Gran Canaria. Und zum kuriosen Umstand, dass sie ihren Geburtstag jahrzehntelang am 10. Juli feierte, meint sie lachend: «Was jetzt wirklich stimmt, weiss ich immer noch nicht.» Die Zeit verging wie im Flug und beim Abschied waren sich alle einig: Die 90-jährige Hilda Bossert-Riedweg ist ein lebendiges Zeugnis der Zeitgeschichte – mit einem Herzen voller Liebe, einem Kopf voller Geschichten und einem Humor, der alle Generationen verbindet.
Die Jubilarin Hilda Bossert mit Flurin Burkhalter, Gemeindepräsident; Pius Hodel, Gemeindeammann; und Renate Ambühl, Gemeinderätin.
Bild Peter Helfenstein